Toilette?
Ich bin in der Gastronomie tätig. Im Moment im Service. Es ist nun keine "gehobene" Gastronomie, aber einige Verhaltensweisen scheinen immer mehr durchzukommen. Da das den ganzen Tag so geht, muss der Frust nun mal raus.
Ist es wirklich so schwer, "Guten Tag" zu sagen, wenn man ein Lokal betritt? Immer öfter werde ich mit den Worten Toilette? / Milchkaffee! / Ich hab noch gar nicht in die Karte gesehen! usw. begrüßt.
Hmm. ICH hatte guten Tag gesagt!
Nun ist Toilette? an sich etwas komisches. Satz? Frage? Aussage? An guten Tagen schlußfolgere ich dann, daß der gute (meist) Mann warscheinlich so dringend auf das WC muss, daß er vor lauter Pi... im Hirn keine richtige Frage mehr zusammenbekommt. Dann weise ich ihm den Weg. Nach dem dritten werde ich deutlicher: "Suchen Sie eine Toilette?" Über das patzige "Ja, was hatten Sie denn gedacht?", wundere ich mich schon lange nicht mehr. Mein etwas saisongeschädigter Arbeitskollege überhört diese Fragestellung gekonnt einige Male, bis die Leute meist richtig laut werden. Auf die Frage Toilette? anwortet er wahlweise mit :"Fischstäbchen" (was schon zu einiger Verwirrung führte) oder mit einem knappen:"Ja."
( Überhaupt: In D müssen Restaurants (bis auf einige Ausnahmen) Toiletten haben. Daher ist die Frage, wo sich die Toiletten befinden, deutlich besser und führt im Normalfall auch zu schnelleren Resultaten.)
OK, das Kellner(innen) ungern Bestellungen annehmen, die von den Gästen im Mantelausziehen herübergebrüllt werden, sollte allgemein recht bekannt sein. Leute, Sie haben Urlaub und ich bin eh den ganzen Tag da, warum sich nicht also die eine Minute Zeit geben und sich erst einmal hinsetzen? Ich komm dann schon und keiner braucht zu brüllen.
Und GAAAANZ wichtig. Kellner sind auch Menschen. Auch wenn wir bedienen, kann man sich doch ab und zu mal ein winziges "Bitte" herausquetschen. Oder auch "Danke". Wir haben es in unserem Wortschatz und es sind gar nicht mal so dumme Worte. Mal kurz drüber nachdenken.
Für Eltern mit kleinen Kindern (und besonders Mutter-Kind-Kur Mütter). Wie sollen Ihre Kinder ordentliches Benehmen lernen, wenn Sie selbst nicht einmal in der Lage sind, die Mindestform an Höflichkeit zu wahren? Ist es unbedingt erforderlich Ihnen zu zeigen, daß Kellner niedere Wesen sind, die man wahllos in der Gegend umherscheuchen kann?
Ich mache Ihnen gern das Alete-Gläschen warm. Ich schaffe Kinderstühle ran und besorge bunte Strohhalme. Ich klau dem Chef seine Textmarker, damit die Kinder was zum Malen haben. Ich bringe auch zum siebten Mal einen neuen Löffel, wenn Junior ihn (absichtlich) runtergefenstert hat und sie nichts dagegen unternehmen. Ich laufe auch Zickzack mit heißen Tellern, weil dieGören lieben Kleinen die ganze Zeit auf dem Boden rumturnen und (wild kreischend) durch den Laden toben. Nein, unternehmen Sie nur nichts, tun sie weiterhin ganz unbeteiligt und lassen Sie sich auch nicht davorn stören, daß Ihr Kind gerade am Tisch Ihrer Sitznachbarin gerüttelt hat und die Kaffeetasse halb entleert hat. Genießen Sie nur Ihren Urlaub.
ABER: Bevor sie Ihr Kind auf einem der Tische wickeln (!!!) fragen Sie doch bitte kurz nach, denn wir haben einen Wickelraum, den Sie gern benutzen können. Denn das ist ekelig! Und ja, doch, ich habe auch ein Kind. Und finde es trotzdem wiederlich!
Und wenn ich mit Tellern komme, dürfen Sie ruhig auch mal etwas Platz machen. Ich stelle Teller so ungern auf Sonnenbrillen ab. Aber wenn ich in beiden Händen Teller habe und zudem nicht an den Tisch rankomme, (weil Sie Ihre (nasse) Gaderobe natürlich nicht auf die Haken, sondern über diverse Stuhlehnen verteilt haben) habe ich keine Chance, es hinzustellen. Und ganz nebenbei, wenn das Essen heiß sein soll, sind es die Teller meist auch und irgentwann fängt es doch an, wehzutun.
Das gleiche auf dem Rückweg. Ich habe gelernt, daß man erst aushebt (die Teller wegnimmt) wenn alle am Tisch aufgegessen haben. Es ist also nicht bös gemeint, wenn der Teller da noch 2 Minuten steht, bis auch die Frau aufgegessen hat. Mich dann ich ein Gespräch über guten Service, den sie irgentwo schon mal gehabt haben, zu verwickeln, ist nicht so toll. Wenn Sie der Meinung sind, meinen Job besser zu machen als ich, bitte, bewerben Sie sich einfach. Denn wenn ich meinen Job nur etwas gut mache, werde ich Ihnen nicht einmal sagen, daß Sie leider keine Ahnung von "gutem Service" zu haben scheinen, den ich in einem Sterneladen erlernen durfte!
Die Teller zu lustigen Häufchen zu stapeln ist sicherlich gut gemeint. Leider völlig vergebene Liebesmüh, denn der arme Kellner muss mindestens doppelt so oft laufen, da "wir" anders stapeln und das Geschirr so nicht wegbekommen. Das nur als Tip am Rande, denn wie gesagt, meist ist das nett gemeint.
Wenn ich gerade mit einem Riesenberg Tellern an Ihnen vorbeikomme, oder auch mit vollem Tablett - ich also offensichtlich nicht einen meiner beiden Hände frei habe, können sie mir in den Weg halten, was sie wollen. Ich werde nicht das ganze Geschirr fallen lassen um Ihre eine Cappuchinotasse mitzunehmen!
Grundsätzlich gilt, wenn ich mich mit anderen Gästen am Tisch unterhalte, nehme ich zumeist Bestellungen auf. Dann können sie noch so Fröiiillein..Fröööiiiiilleeeeeeein... rufen. Ich mache dann erst recht das in Ruhe weiter, was ich angefangen habe! Für Schnipser und Pfeifer: DAS ist der sicherste Weg mich in den nächsten zehn Minuten nicht an Ihrem Tisch zu sehen.
Hach ja. Zu guter Letzt. Trinkgeld in Kupermünzen ist so ziemlich die größte Beleidigung, die man einem Kellner zukommen lassen kann. Gut, man könnte ihn noch anspucken, aber eine größere Steigerung ist fast nicht möglich.
Wenn Ihnen mein Service oder das Essen nicht gefallen haben sollte, so sagen sie das bitte. Anders können wir nicht lernen. Zuwenig Tip ist als Zeichen zu werten, daß irgendetwas nicht in Ordnung war.Wenn sie zuwenig Geld mithaben, um ein anständiges Trinkgeld zu geben, unterlassen sie es bitte ganz. Wenn Sie sich unsicher sind: Es gilt immer noch die gute, ungeschriebene ca 10% Regelung als grobe Richtlinie.
Ist es wirklich so schwer, "Guten Tag" zu sagen, wenn man ein Lokal betritt? Immer öfter werde ich mit den Worten Toilette? / Milchkaffee! / Ich hab noch gar nicht in die Karte gesehen! usw. begrüßt.
Hmm. ICH hatte guten Tag gesagt!
Nun ist Toilette? an sich etwas komisches. Satz? Frage? Aussage? An guten Tagen schlußfolgere ich dann, daß der gute (meist) Mann warscheinlich so dringend auf das WC muss, daß er vor lauter Pi... im Hirn keine richtige Frage mehr zusammenbekommt. Dann weise ich ihm den Weg. Nach dem dritten werde ich deutlicher: "Suchen Sie eine Toilette?" Über das patzige "Ja, was hatten Sie denn gedacht?", wundere ich mich schon lange nicht mehr. Mein etwas saisongeschädigter Arbeitskollege überhört diese Fragestellung gekonnt einige Male, bis die Leute meist richtig laut werden. Auf die Frage Toilette? anwortet er wahlweise mit :"Fischstäbchen" (was schon zu einiger Verwirrung führte) oder mit einem knappen:"Ja."
( Überhaupt: In D müssen Restaurants (bis auf einige Ausnahmen) Toiletten haben. Daher ist die Frage, wo sich die Toiletten befinden, deutlich besser und führt im Normalfall auch zu schnelleren Resultaten.)
OK, das Kellner(innen) ungern Bestellungen annehmen, die von den Gästen im Mantelausziehen herübergebrüllt werden, sollte allgemein recht bekannt sein. Leute, Sie haben Urlaub und ich bin eh den ganzen Tag da, warum sich nicht also die eine Minute Zeit geben und sich erst einmal hinsetzen? Ich komm dann schon und keiner braucht zu brüllen.
Und GAAAANZ wichtig. Kellner sind auch Menschen. Auch wenn wir bedienen, kann man sich doch ab und zu mal ein winziges "Bitte" herausquetschen. Oder auch "Danke". Wir haben es in unserem Wortschatz und es sind gar nicht mal so dumme Worte. Mal kurz drüber nachdenken.
Für Eltern mit kleinen Kindern (und besonders Mutter-Kind-Kur Mütter). Wie sollen Ihre Kinder ordentliches Benehmen lernen, wenn Sie selbst nicht einmal in der Lage sind, die Mindestform an Höflichkeit zu wahren? Ist es unbedingt erforderlich Ihnen zu zeigen, daß Kellner niedere Wesen sind, die man wahllos in der Gegend umherscheuchen kann?
Ich mache Ihnen gern das Alete-Gläschen warm. Ich schaffe Kinderstühle ran und besorge bunte Strohhalme. Ich klau dem Chef seine Textmarker, damit die Kinder was zum Malen haben. Ich bringe auch zum siebten Mal einen neuen Löffel, wenn Junior ihn (absichtlich) runtergefenstert hat und sie nichts dagegen unternehmen. Ich laufe auch Zickzack mit heißen Tellern, weil die
ABER: Bevor sie Ihr Kind auf einem der Tische wickeln (!!!) fragen Sie doch bitte kurz nach, denn wir haben einen Wickelraum, den Sie gern benutzen können. Denn das ist ekelig! Und ja, doch, ich habe auch ein Kind. Und finde es trotzdem wiederlich!
Und wenn ich mit Tellern komme, dürfen Sie ruhig auch mal etwas Platz machen. Ich stelle Teller so ungern auf Sonnenbrillen ab. Aber wenn ich in beiden Händen Teller habe und zudem nicht an den Tisch rankomme, (weil Sie Ihre (nasse) Gaderobe natürlich nicht auf die Haken, sondern über diverse Stuhlehnen verteilt haben) habe ich keine Chance, es hinzustellen. Und ganz nebenbei, wenn das Essen heiß sein soll, sind es die Teller meist auch und irgentwann fängt es doch an, wehzutun.
Das gleiche auf dem Rückweg. Ich habe gelernt, daß man erst aushebt (die Teller wegnimmt) wenn alle am Tisch aufgegessen haben. Es ist also nicht bös gemeint, wenn der Teller da noch 2 Minuten steht, bis auch die Frau aufgegessen hat. Mich dann ich ein Gespräch über guten Service, den sie irgentwo schon mal gehabt haben, zu verwickeln, ist nicht so toll. Wenn Sie der Meinung sind, meinen Job besser zu machen als ich, bitte, bewerben Sie sich einfach. Denn wenn ich meinen Job nur etwas gut mache, werde ich Ihnen nicht einmal sagen, daß Sie leider keine Ahnung von "gutem Service" zu haben scheinen, den ich in einem Sterneladen erlernen durfte!
Die Teller zu lustigen Häufchen zu stapeln ist sicherlich gut gemeint. Leider völlig vergebene Liebesmüh, denn der arme Kellner muss mindestens doppelt so oft laufen, da "wir" anders stapeln und das Geschirr so nicht wegbekommen. Das nur als Tip am Rande, denn wie gesagt, meist ist das nett gemeint.
Wenn ich gerade mit einem Riesenberg Tellern an Ihnen vorbeikomme, oder auch mit vollem Tablett - ich also offensichtlich nicht einen meiner beiden Hände frei habe, können sie mir in den Weg halten, was sie wollen. Ich werde nicht das ganze Geschirr fallen lassen um Ihre eine Cappuchinotasse mitzunehmen!
Grundsätzlich gilt, wenn ich mich mit anderen Gästen am Tisch unterhalte, nehme ich zumeist Bestellungen auf. Dann können sie noch so Fröiiillein..Fröööiiiiilleeeeeeein... rufen. Ich mache dann erst recht das in Ruhe weiter, was ich angefangen habe! Für Schnipser und Pfeifer: DAS ist der sicherste Weg mich in den nächsten zehn Minuten nicht an Ihrem Tisch zu sehen.
Hach ja. Zu guter Letzt. Trinkgeld in Kupermünzen ist so ziemlich die größte Beleidigung, die man einem Kellner zukommen lassen kann. Gut, man könnte ihn noch anspucken, aber eine größere Steigerung ist fast nicht möglich.
Wenn Ihnen mein Service oder das Essen nicht gefallen haben sollte, so sagen sie das bitte. Anders können wir nicht lernen. Zuwenig Tip ist als Zeichen zu werten, daß irgendetwas nicht in Ordnung war.Wenn sie zuwenig Geld mithaben, um ein anständiges Trinkgeld zu geben, unterlassen sie es bitte ganz. Wenn Sie sich unsicher sind: Es gilt immer noch die gute, ungeschriebene ca 10% Regelung als grobe Richtlinie.
Paulaline - 14. Nov, 23:16

