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15
Okt
2004

Jammern

Ja, ich jammere.Manchmal tut das aber auch ganz gut. Es läuft im Moment wirklich nicht. Ist so.
Und ärgerlich ist es auch, wenn ich einmal Hilfe brauche und keiner da ist. Das war auch gar nicht so jammerig gemeint wie es rüberkam. Ich will in Zukunft mehr nein sagen lernen. Ich glaube, es haben sich zu viele Menschen dran gewöhnt, daß ich immer ja sage und immer versuche, alles hinzubekommen. Das muss ich wirklich lernen. Das nehme ich mir aber auch schon etwas länger vor.
Meine Schwester hat grade mein Auto kaputtgefahren. Sie rief grad an. Auffahrunfall, "hat ganz schön was abgekriegt", sagt sie. Ich werds dann ja sehen. Ist ein Clio, kann nicht viel schlimmer aussehen, als vorher.
Komisch, sowas stört mich gar nicht. Passiert halt. Kleine Katasrophen am Rande.
Die ganze Geschichte: Ihr Auto ist in der Werkstatt. Sie hat stattdessen das uralte Auto von meinem Onkel. Da hat sie gestern vergessen, das Licht auszumachen. Da die Batterie neu ist und das Auto so alt, hat die Lichtmaschine das wohl nicht gepackt. Werkstatt. Um zur Arbeit zu kommen, hat sie mein Auto. (Der piept, wenn das Licht noch an ist!) und da fährt sie jetzt jem. auf. Das find ich schon wieder lustig. In einer Woche drei Autos in die Werkstatt zu kriegen. Hoffendlich bekommen wir Mengenrabatt!

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EcceHomo - 15. Okt, 12:42

STOP!

Weißt Du, warum so viele Menschen Hermann Hesse lieben? Weil er daß, was er fühlte, einfach schrieb - in einer Tiefe, die jeder Mensch kennt, jedoch nur Hesse so gut auszudrücken vermochte. Diese Tiefe hast auch Du und Du analysierst Dich selbst und die Dinge, welche um Dich herum passieren. Es ist unmöglich, alles einfach abzutun, ohne zu verarbeiten. Du schreibst und es erleichtert, oder?
Aber ich muß Dich vor einer Sache warnen: dem "Zirkel der Bitterkeit". Wie gut können wir Menschen das; einfach allen Dingen einen grauen oder schwarzen Schleier überziehen und nur noch alle Dinge in diesem Licht wahrnehmen... (Etwas, das Lance Dir sicher auch sagen will)
In meinem Fall gab es keine so tragischen Geschichten wie bei Dir. Aber "tragisch" ist ein mit Werten gefülltes Wort. Ich habe nicht weinen können als liebe Menschen gestorben sind und man hat mich angeschaut ... ich konnte es spüren, was alle dachten. Sie erwarteten Tränen als Ausdruck meiner Trauer. Die Tränen gehörten in das geprägte Bild der Leute, die mich anstarrten und sich fragten, warum ich wohl nicht trauerte. Denn da waren keine Tränen. Die flossen innerlich, wo sie niemand sehen konnte. Und heute kommen sie auch manchmal heraus, wenn ich an Gräbern stehe. Egal, an welchen.
Ebensowenig habe ich geweint, wenn Lieben gegangen sind. Das hat mich schockiert, denn ich stand schon lange abseits meiner selbst. Homo Faber. Eine rationale Wand, die mich geschützt, jedoch in tiefe Zweifel gestürzt hat, sodaß ich heute meine, ich könnte morgen sterben und das ist auch gut.
Ich komme mal auf den PUNKT: Ein pragmatischer. Theorie hilft Dir nichts und auch Mittrauer und -gefühl. Punkt: Versuche es einmal mit Hoffnung. Ich meine diese, welche aus der Vorstellung geboren wird, daß ein alles überspannendes Geschehen waltet, in welchem Du einen kleinen Platz einnimmst. Du wirst herumgewirbelt - chaotisch und von Dir unbeeinflußbar. Sagen wir, der Sturm hat Dir den Boden unter den Füßen weggezogen und nun mußt Du durchhalten, bis er Dir den Boden zurückgibt. Ich verspreche Dir, den wirst Du wieder spüren. Ich glaube nicht an Schicksal, sondern Wille. Aber solange Du in der Luft hängst, kann Deine Wille mit den Beinen zappeln - er wird nichts bewirken. Also hoffe, nein, sei Dir BEWUSST, daß Du wieder auf den Boden kommst. Wann spielt keine Rolle, sondern DASS. Denkst Du nicht, daß das trösten kann?

P.S.: Nicht nur ich, sondern auch alle anderen sehen Dich. Und manche von uns werden auch gerade herumgewirbelt. Aber wir halten Blickkontakt, okay?

antejo - 15. Okt, 13:55

@ thfuegner

ich geb dir in einem punkt recht. nämlich, dass schwesterchen für den schaden aufkommen sollte. aber sonst muss ich Ecce recht geben.
Ohne Hoffnung kämen wir nicht weit. Hätten wir keine Hoffnung, wäre alles verloren. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

@ paula

schön, dass du darüber lachen kannst. ich wär wahrscheinlich ziemlich sauer. dein schwesterchen hat wohl das "glück" mit autos im moment gepachtet. naja, es heißt ja auch: "ein unglück kommt selten allein" und "alle guten dinge sind drei"

mein auto kriegt sie trotzdem nicht!! *gg*

EcceHomo - 15. Okt, 15:12

@ thomas:

Ja, nein... also: Wir haben eine unterschiedliche Auffassung von Hoffnung in diesem Fall. In der Art, wie im Allgemeinen "Hoffnung" verstanden wird, halt ich es (wie zumeist) wie Nietzsche: Hoffnung ist nichts, als die bösartige Verlängerung einer jeden Qual. Nur ein psychopathologischer Lebenserhaltungstrieb.
HOFFNUNG, die ich hier meine, ist die ERWARTUNG, das BEWUSSTSEIN darum, daß früher oder später der Tag kommt, an dem der eigene Wille wieder vernünftig regiert, weil von emotionalem Druck befreit. Dann kann man VERANTWORTUNG übernehmen. Also, jeder Mensch ist ja nun für sich selbst verantwortlich. Aber ebenso ist es für jeden Einzelnen unterschiedlich, wie sehr er von Emotionen beherrscht wird. In solchen Momenten hat Rationalität die Klappe zu halten. Sie wird immerhin von Emotionen eingefärbt. Triebfeder unseres Handelns.
Man KANN einfach nicht immer vernünftig handeln, weil alles von Emotion beherrscht wird.
Aus diesem Kreis bricht man eben aus. Manche Gemüter eher, manche später.
Also, alles was ich in meinem Wortschwall ausdrücken wollte: Es kommen bessere Zeiten. ;o)-
Morgenlandfahrer - 17. Okt, 11:50

Hoffnung

Hoffnung bedeutet auf die Zukunft vertrauen und nicht auf das Jetzt. Wer mit der Hoffnung lebt ist bereits tot...
Es wird nicht irgendwann einmal besser, jetzt und hier ist es gut, jeden Tag und immer wieder...
EcceHomo - 17. Okt, 19:27

ach...

...hier geht's um Verständnis, nicht um Definitionen.
Aber @Morgenlandfahrer & Thomas: HOFFNUNG ist genauso verlogen wie ein angebliches Schicksal und jeder Gott. Alles ist eines, wie schon gesagt: psychopathologischer Überlebenstrieb.
AUSSEN herum wird nie etwas besser. Jeder ist mit sich alleine und reflektiert. Aber man kann ja alles schwarz sehen - selbst der blaue Himmel ist im trüben Auge grau.
Was niemand braucht, sind andere Menschen, die Existenzangst nur noch schüren. Eigentlich dachte ich immer, ICH sei derjenige, der Hoffnungen zerschlägt. In diesem Fall seid ihr beide das.
Es geht nämlich nicht um die Wahrheit (darum geht es bei Hoffnung gerade NIE), sondern um eigenes Durchhaltevermögen, um vor Angst vorm Leben nicht durchzudrehen. Nichts als natürliche Veranlagung...
Morgenlandfahrer - 17. Okt, 22:12

@ecce
Du solltest mal über den Satz "Es wird nicht irgendwann einmal besser, jetzt und hier ist es gut, jeden Tag und immer wieder..." reflektieren und mir dann den Zusammenhang zu der von mir angeblich geschürten Angst erklären, das verstehe ich nämlich absolut nicht.
Es geht mir darum jede Situation anzunehmen, was in meinen Augen nicht falsch ist, und einfach zu sehen, daß ich nur hier und jetzt dagegen etwas tun kann, ich kann entscheiden ob ich etwas ändere, ob ich akzeptiere wie es ist und versuche mit meinem Problem zu leben, denn dann kann ich beginnen etwas zu verändern, jetzt und hier in diesem Moment und nicht irgendwann, das ist in meinen Augen eine sehr positive Sichtweise.
Und dann bekomme ich nämlich auch nicht die Angst im Leben durchzudrehen, den ich habe es ja immer in der Hand die schwierigen Situationen im Leben zum Positiven zu wenden, auch wenn es nicht immer gelingen muß.
Einen positiven Gruß, M.
creature - 17. Okt, 22:26

stimmt, leben ist immer jetzt, alles andere eine illusion, es kann gutes kommen, schlechtes kommen, wer weiß.
ich hatte schon die besten, perfektesten pläne, in einem augenblick waren sie zerstört.
meine lehre daraus, egal was ist, jetzt ist es richtig!
EcceHomo - 18. Okt, 00:11

gut, jedoch....

@Morgenlandfahrer: Ich gebe Dir ja recht und wollte Dir auch keinen "negativen Gruß" damit geben.
(jetzt das) Jedoch: Insoweit gebe ich Dir & Creature recht, als daß HIER und JETZT die einzige Realität ist, in der man sich selbst nur helfen kann.
Gibt es aber nicht auch Situationen, in denen man BEIM BESTEN WILLEN nicht kann?
Was ich nicht sagen wollte: Daß wir rumgewirbelt werden und däumchendrehend auf bessere Zeiten hoffen. Das ist es eben nicht. Will sagen: wir werden schon rumgewirbelt und das Chaos kommt eben zu uns, wie es will. Mag man es Schicksal nennen oder wie auch immer... In jedem Fall sind Emotionen ein Faktum, welches uns beherrscht, denn es gibt unseren Gedanken, unserem Kalkül, erst Motivation. Und aus dumpfen Gefühlen heraus passiert selten etwas Positives.
Insoweit mag meine Formulierung mißverständlich gewesen sein. Nicht abwarten, sondern einfach nur darüber bewußt sein, daß diese Emotionen auch wieder abklingen. ...und sich (seinen Geist) dadurch nicht unterkriegen lassen. Oder hat jemand von euch irgendeine Chance, sich gegen Emotionen (im weiten Sinne) unbeeinflußt zu geben?
Einen positiven Gruß zurück, :o)-
Morgenlandfahrer - 18. Okt, 09:37

@ecce: Jede meiner Emotionen ist real, nur woher sie kommen ist immer die Frage. Ich gebe Dir dahingegen gerne recht, aber das heißt in meinen Augen nicht, daß ich mit meinen Emotionen Achterbahn fahren muß. Ich kann mich ihnen Stellen, ich kann sie beobachten und ich kann sie ausleben (ohne Anderen damit zu Schaden) und daraus meine Erfahrung zu sammeln und den Blick auf mich selber schärfen, dazu muß ich aber in der Lage sein einen tiefen Einblick in mich selber gewinnen zu können und mich von meinen Mauern befreien. Wenn mir das gelingt habe ich die Chance im Hier und Jetzt wiklich für mich etwas zu ändern und meinem Leben eine positive Wendung zu geben. Ich bin kein Spielball meiner Emotionen, wenn ich das nicht will, aber solange ich nicht den Blick auf mich selber richte (was natürlich auch oftmals sehr sehr schwer fällt) werde ich einer bleiben und bis dahin kann ich nur sagen es bedarf Übung, Übung, Übung, am Anfang fällt es schwer, aber je öfter ich es versuche, dest öfter funktioniert es...
Liebe Grüße, M.

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