Erlebniswochenende

9
Jan
2007

Erlebniswochenende Teil 5

Oder: Wie ich von der perfekten Frau zum süßen Biest aufsteige

Der Reihe nach entstanden unter den Partygästen lustige Fotos, von denen ich etliche machte und nebenbei einige Tips des Unbekannten erhielt, der, mittlerweile als ältester Freund vom Gastgeber selbst mit etlichen peinlichen Anekdoten derer Feundschaft belegt, nun nicht mehr unbekannt und namenlos war. In einer wilden Flachserei, die entstand, nachdem ich die Spülmachine eingeräumt hatte und anschließend auf Knien etwas schnell aufwischte, erkoren mich der Gastgeber und der nicht mehr unbekannte Freund zur perfekten Frau, was ich selbstverständlich sofort schriftlich haben wollte und auch bekam.

Mein leider Gottes schwuler, weil sonst perfekter Mann und Tanzpartner verließ mich, wie etliche andere auch den Heimtritt antretend, nicht, ohne mich mit ausreichen Post-it-Zetteln beklebt zu haben, wo ich Telefonnummern sammeln sollte und einer Verabredung für morgen mit ihm zum Kaffee ausgemacht zu haben.
Es lichtete sich immer weiter, gegen halb drei verabschiedeten sich die letzten Gäste nach Hause sowie die Gastgebeberin ins Bett, so daß nur noch der Gastgeber selber, meine Freundin, der nicht mehr Unbekannte und ich übrig blieben und in lustiger Viererrunde etliche Kannen Kaffee leerten, da wir gegen fünf am nahegelegenen Flughafen die Heimreise antreten mussten und somit ausgemacht hatten, daß in dieser Nacht nicht geschlafen werden würde.

So standen wir um einen Tisch, das geknister immer deutlicher, was mich, doch etwas lernfähig, zum Rückzug veranlasste, meine Freundin und seinen besten Freund allerdings eher zu Neckerein reizte. Ich erwänte schon, daß, wer solche Freunde hat, keine Feinde mehr brauchte? *lach* Der Koffeingehalt im Körper stieg, mit ihm einhergehend, woduch auch sonst, das leichte Zittern. Die Zeit bis zum Abflug wurde knapper und die Frage, wieso wir nicht eigentlich länger geplant hatten, lauter.
Schließlich erbot sich der nicht mehr Unbekannte, uns zum Flughafen zu fahren. Das Auto, welch Freude, sauber. Wer meine Freundin und mich live erlebt hat, wird wissen, dass bei uns immer Stimmung ist, wir sind uns gemüt-und humormäßig so ähnlich, dass jeder immer glaubt, wir hätten schon das ein oder andere Glas in uns. dementsprechend ausgelassen war dann auch die Autofahrt, die damit endete, daß wir einen Traumparkplatz direkt vorm Gate hatten, wo einige andere auf eben diesen Parkplatz warteten, wärend wir uns von dem nicht mehr Unbekannten verabschiedeten, nicht ohne auszumachen, daß er uns und wir ihn dringend besuchen kommen müssten.
Nach noch etwas ausgelassener Flachserei über den Abend an sich, darüber, daß ich ein ziemlich süßes Biest sei, sowie nicht zuletzt dem Dirty Dancing Sprung beschlossen wir, eben diesen zu wiederholen.

Wer also heute morgen um fünf am Kölner Flughafen eine ausgelassene Blondine einem charmanten Mann auf die Hüfte hat springen sehen....


Und so endete dieses Wochenende, wie es hätte anfangen sollen. Mit einer unvergesslichen neuen Bekanntschaft.

7
Jan
2007

Erlebniswochenende Teil 4

Oder: Wie ich einen Schwulen bespringe und unsere Hochzeitsfotos entstehen

Da mittlerweile jeder zumindest eine Winzigkeit, wahr oder nicht, über die Erlebnisse der Vornacht aufgeschnappt hatte und die wildesten Gerüchte und Vermutungen den Inhalt meiner Reisetasche betreffend die Runde machten, beschloss ich, die Erlebnisse vorsichtshalber direkt zu erzählen. Wer solche Freunde hat....*lach*

Inmitten meiner Erzählung, ständig unterbrochen durch witzige Anmerkungenund Lästereien, trat der Sonnenschein in Person in die Party ein, vormals nur einmalig zu anderer Gelegnheit von mir gesehen. Den Anfang verpassend reihte er sich spontan ein in die Schar fröhlicher Rateversuche was denn nun wirklich in meiner Reisetasche sein könne, wobei dann erstmals der Begriff "Batteriebetrieben" die Runde machte, vom Sonnenschein eingeworfen. Meinen Erklärungen, das Wochenende anders erhofft zu haben, und gerade aus diesem Grunde derartiges sicher nicht bei mir zu führen, wurde keinerlei Beachtung mehr geschenkt. Es folgten er- und angeheiterte Schlagabtausche über das Pro und Kontra der Hilfsmittel in einer lustigen Nacht, wie sie nur unter Menschen aufkommen können, die sich gut kennen und sehr mögen. Ein Thema, daß vermehrten Alkohlokonsum und damit immer weiteren Gesprächsstoff dieser Art sowie Anlass zum Lachen birgt.

Die Stimmung wurde ausgelassener, es wurde getanzt und sehr viele Fotos geschossen. Als ich mich mittels ausgestecktem Arm mit demjenigen Ablichten wollte, der dass batteriebetriebene ins Spiel brachte, trat ein mir noch Unbekannter zu uns, der mir schon etwas länger aufgefallen war da er sich in den Gesprächen zumeist zurückhielt. Er sah jedoch mit einem solch belustigt-interessierten Blick zu mir rüber, der durch und durch ging. jedoch wurde er von mir durch die gemachten Erfahrungen der Vornacht vorsichtshalber bewusst auf Abstand gehalten, obwohl der zufällige Blickkontakt schon etwas länger nicht mehr ganz zufällig war.
Er erbot sich, uns zu fotografieren. Die klassischen Hochzeitsfotos, wie auch immer wir auf die Idee kamen, so mit Kopf an Kopf, kitzeligen Halsküsschen, Rücken an Rücken nach hinten blickend.
Die ersten Bilder waren ganz nett, bis er sagte, dass es mit etwas Bewegung meist so viel besser da ungestellt wirken würde. So tanzten mein Partner und ich ausgelassen durch die Küche, ich wurde gewirbelt, gedreht und hatte einem Spaß mit ihm wie, auch abgesehen der Vornacht, etwas länger nicht mehr.
So kam es dann, daß der Unbekannte vorschlug, wir sollten den "Dirty Dancing Sprung" machen, was wir auch direkt taten. Ein paar Male hintereinander sprang ich meinem überaus fotogenen und gutriechenden Tanzpartner auf die Hüften, was sich als nicht einfach erwies in einer dafür zu kleinen Küche, hohen Schuhen und dem Bemühen wenigstens eine halbwegs durchstreckte Figur abzuliefern.
Es endete, wie es musste - lachend auf dem Boden, einen Knoten in den Beinen.

Erlebniswochenende Teil 3

Oder: Wie ich mein Asyl erarbeite und mein Lachen wiederfand

Wenn man etliche Stunden zu früh kommt, mit herzlichsten Umarmungen und einem so bitter benötigten starken Kaffee empfangen wird und zur Stärkung unter die heiße Dusche getellt wird, ist es das Mindeste, sich an den Vorbereitungen zur bevorstehenden Geburtsagsfeier zu beteiligen.

Nun muss ich zur Erklärung erwähnen, daß ich zu den Hausherren, wie sie zu mir, eine Pauschaleinladung haben und ich trotz der hohen Kilometeranzahl und dass ich noch niemals diese Gegend besucht hatte, ca 90% der später anwesenden Partygäste zumindest flüchtig kenne.

Nun liegen meine hausfraulichen Fähigkeiten mehr in der einfachen Kochkunst denn in der hohen Kunst der Büffetzauberei. So machte ich den ersten Käseigel meines Lebens. Wir erschufen ein Büffet, Alberten und Lachten, was mich sicherlich davor rettete, ins Grübeln zu kommen und zu realisieren, wie meiner erträumten großen Liebe die Luft ausgelassen wurde, wie einem Luftballon nach der Kollision mit einer Nadel.

Sieben Stunden werkeln in der Küche später belieh mich die Gastgeberin zum Lohn mit einem traumhaften Outfit, was zur Folge hatte, dass meine dazu etwas unpassende Unterwäscheauswahl anläßlich dieses anders geplanten Wochenendes zu einem Running-Gag für alle Neuankömmlinge dieser Party wurde....

Erlebniswochenende Teil 2

Oder: Vom ausgelassenenen Mittelteil bis zur Flucht

Ich will es nur grob umreissen. Die Details werde ich mir und euch ersparen.


Die Stunde Autofahrt, in der das nomalerweise tolle Gespräch fast vollständig verstummte. Das chinesische Essen, (welches meine Wahl war, da der Gyrosimbiss nebenan noch weniger vertrauenswürdig aussah) dass wir in mitgekaufter Plastikverpackung vor dem laufenden Fernseher aßen.

Genauso wie das im ca 2 Minutentakt auftretende Nasehochziehen. Wobei die lustike Annekdote erzählt werden könnte, wie ich demonstrativ auf der Toilette, die vom Sofa aus gut zu sehen war, meine Nase putze und auf die Frage, ob ich ihm die Rolle mitbringen solle, nur ein lapidares "Wozu???" kam....

Seine ungeteilte Aufmerksamkeit für die Gangs of New York, die mir allerdings zunehmend gelegener kam.

Sein Erstaunen, als ich Morgens um vier (mittlerweile waren wir bei Autoshows angelangt) mitteilte, dass ich jetzt gern auf die Luftmatratze ins Bett gehen würde, weil mir tatsächlich so kalt war, dass ich mir Sorgen um Frostbeulen an meinen Füßen machte.

Mein Erstaunen, als er daraufhin erbost die Wohnung verließ, um auf seiner Baustelle arbeiten zu gehen.

Die Überlegungen, sofort und heimlich zu gehen und in sicherlicher Ermangelung einer nächtlichen Buslinie in diesem Vorort einer der umliegenden Großstädte zur Autobahn zu laufen und die 80 km nach Köln zu trampen genauso wie den Entschluß die Abreise sicherheitshalber auf den nächsten Morgen zu verlegen.

Die Fragen dreieinhalb Stunden später, was denn nun genau passiert sei, daß ich ihn nicht anziehend fände, wobei ich hier die auch noch ständigen Beschimpfungen dem Fernseher und dem Befluchen der Welt im Allgemeinen dieser Nacht erwähnt hatte, die nicht Unwesentlich zu meiner Meinungsfindung beigetragen hatten, erwähnt hatte.


Zu seiner Verteidgung muss gesagt werden, daß er äußerst gefasst blieb und sich nur gelegentlich zu Provokationen hinreissen ließ, die ich dann gekonnt überhörte.
Das er mich fragte, ob wir erst noch Frühstücken gehen wollen, oder ich lieber direkt flüchten wolle, wóbei ich mich klar zur Flucht bekannte.
Das er mir anbot, seine Hausschlüssel erst einmal zu behalten.
Das er es sich nicht nehmen ließ, mich zu lieben Bekannten nach Köln zurückzufahren, wo meine Freundich mich auf deren Party Abends eingeladen hatte. Mir wäre allerdings ein Busbahnhof ausreichend gewesen, aber er wollte die Autofahrt anscheinend resümierend gestalten. Da ich mich dazu als äußerst unwilliger Gesprächspartner erwies, verlief die rstliche Fahrt abgesehen von seiner Nase und den Beschimpfungen des Radios relativ geräuschlos.

Selten war ich glücklicher, ein mir unbekanntes Haus zu sehen. Noch nie war ich 7 Stunden zu früh auf eine Party gekommen, zu der ich zwar sehr erwünscht, jedoch nicht ausdrücklich eingeladen worden war, was allerdings an den 700 km lag, die den sehr lieben Bekannten und mich voneinander trennen, dem ich überglücklich um den Hals fiel mit den Worten:"Endlich! Ein normaler Mensch!"

Erlebniswochenende - Teil 1

Oder: Wie eine Traumlandung zum Albtraum wurde.

Wir landeten zu früh. Ein Traum, blieb mir so doch noch Zeit, mein sorgfältig durchdachtes Styling zu checken und mein Näschen nachzupudern. Dinge, für die ich normalerweise andere Frauen auslache. Aber: Besondere Umstände erfordern besondere Verhaltensweisen.

So trat ich dann, zu genau der von mir genannten Zeit in die Ankunftshalle, in erspannter Erwartung auf den Mann, den zu treffen ich mir so lange wünschte. Dadurch, daß ich ja einige Fotos erhalten hatte, würde er nicht schwer auszumachen sein.

Doch er war nicht da. Die Halle leerte sich zusehend, ich ging an den Kaffeestand. Mehr um zu Rauchen, was in der Nervösität und nach dem Flug etwas Beruhigendes hatte. Dann endlich kam sein Anruf, daß er sich verspäte. Als ob ich das nicht schon etwas länger bemerkt hätte. Es schien ihn deutlich weniger zu stören als mich, sagte er nur, ich könne doch noch eben einen Kaffee trinken. Meine Bemerkung, daß ich das schon hinter mir habe, verkniff ich mir.

Dann der Anruf, er sei fast da, und so ging ich schon einmal vor die Tür. Nicht mehr ganz so überschäumend erwartungsvoll ob der Verspätung, das gebe ich zu. Aber immer noch ausreichend Vorfreude. Dann hielt ein Auto mit passenden Kennzeichen und ich riss freudestrahlend sie Tür auf.


Man sagt, der erste Eindruck sei eintscheidend. Dieser Erste Eindruck traf mich wie ein Blitz. Nein, eher wie eine Faust in den Magen. Ich bin auch etwas chaotisch und über Sauberkeit in Autos hatten wir uns auch unterhalten. Darauf war ich allerdings nicht gefasst. Das Auto war im Innenraum grau. Grau von Asche. Der Aschenbecher, oder das, was ich an der Stelle unter dem Berg von Asche, die sich zu beiden Seiten im Fußraum als verstreute Häufchen fortsetzte, quoll förmlich über. Später sollte er auf meinen kleinen Witz darüber, daß er ein neues Auto bräuchte, da der Aschenbecher voll sei, erwiedern, daß er sich praktischerweise in jeder starken Kurve selbst entleerte.... Der Rest des Wagens war, um es an dieser Stelle kurz zu halten, in ähnlicher Verfassung.

Nun will ich mich ja nicht an Gebrauchsgegenständen aufhalten. Denn es ging doch um den Fahrer, der leider zu seinem Auto passte. Den ersten Impuls, die Autotüre sofort wieder zuzuschlagen widerstand ich leider Gottes tapfer und schalt mich, dass es auf solcherlei Äußerlichkeiten nicht ankäme und ich mehr den Mann sehen solle, mit dem ich so tolle Mailwechsel und Telefonate hatte. Sonst sei ich ja auch nicht so oberflächlich!

So stieg ich, ein heldenhaftes Lächeln aufsetzend, ins Auto. Nicht, ohne ein kleines Staubwölkchen aufzuwirbeln.
Das genau war der Moment, an dem er das erste Mal sehr geräuschvoll die Nase hochzog.

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